
Bernhard Simon
Heilpraktiker für Psychotherapie
Trauma ist ein Wort, das viele Menschen von sich weisen. Weil sie denken, dass es ihnen nicht zusteht. Weil sie glauben, dass ein Trauma etwas Extremes sein muss - ein Unfall, eine Gewalttat, eine Katastrophe. Weil das, was sie erlebt haben, im Vergleich dazu klein wirkt. Anderen ist es doch viel schlimmer ergangen.
Aber Trauma ist keine Frage der objektiven Schwere eines Ereignisses. Trauma ist eine Frage dessen, was das Nervensystem mit einem Ereignis gemacht hat. Ob es verarbeitet werden konnte - oder ob es irgendwo feststeckt und von dort aus weiter wirkt, ohne dass man es sieht.
Und es wirkt. In den Reaktionen, die unverhältnismäßig stark sind. In den Situationen, die einen triggern, ohne dass man versteht warum. In den Mustern, die sich wiederholen, obwohl man es besser weiß. In dem Gefühl, dass man in bestimmten Momenten nicht mehr wirklich bei sich ist.
Was Trauma wirklich bedeutet
Das Nervensystem hat eine einzige Aufgabe: Es schützt uns. Wenn es mit einer Situation konfrontiert wird, die es als bedrohlich einschätzt, reagiert es - mit Kampf, Flucht oder Erstarrung. Das ist keine Entscheidung. Das ist Biologie.
In den meisten Situationen ist diese Reaktion abgeschlossen, wenn die Situation vorbei ist. Das Nervensystem kommt wieder zur Ruhe, die Erfahrung wird verarbeitet, das Leben geht weiter. Bei traumatischen Erlebnissen gelingt das nicht vollständig. Das Nervensystem bleibt in einem Zustand erhöhter Alarmbereitschaft - als ob die Bedrohung noch da wäre, auch wenn sie längst vorbei ist.
Das erklärt viele Dinge, die Menschen mit Trauma an sich beobachten. Warum sie in bestimmten Situationen überreagieren - weil das Nervensystem eine alte Bedrohung erkennt, nicht die aktuelle Situation. Warum sie sich in bestimmten Momenten wie abgeschnitten von sich selbst fühlen - weil die Erstarrungsreaktion noch aktiv ist. Warum sie bestimmte Situationen vermeiden, ohne genau zu wissen warum - weil das Nervensystem gelernt hat, dass diese Situationen gefährlich sind.
Welche Erlebnisse traumatisch wirken können
Die Liste ist breiter als die meisten Menschen denken. Ja, schwere Unfälle, körperliche Gewalt und existenzielle Bedrohungen können traumatisch wirken. Aber auch folgendes kann das Nervensystem in einem Zustand hinterlassen, der Traumaverarbeitung braucht: Emotionale Vernachlässigung in der Kindheit - das Gefühl, nicht gesehen oder nicht gewollt zu sein. Chronische Überforderung über einen langen Zeitraum - wenn der Körper nicht mehr zur Ruhe kommt. Verluste, die nicht verarbeitet werden konnten - weil keine Zeit war, weil man stark sein musste, weil das Umfeld keinen Raum dafür gelassen hat. Beziehungen, in denen man sich nicht sicher gefühlt hat - emotional, nicht notwendigerweise körperlich. Und Erlebnisse, die man selbst nicht als schlimm einordnet - weil man gelernt hat, sie kleinzumachen.
Was all diese Erlebnisse gemeinsam haben: Sie hinterlassen Spuren. Nicht als bewusste Erinnerungen, die man einfach abruft. Sondern als körperliche Reaktionen, als Muster, als Überzeugungen über sich selbst und die Welt, die irgendwann entstanden sind und seitdem wirken.
Warum Trauma schwer alleine zu verarbeiten ist
Trauma lässt sich nicht durch Nachdenken lösen. Das ist einer der häufigsten Missverständnisse. Viele Menschen versuchen, ihre belastenden Erlebnisse rational zu verarbeiten - sie denken darüber nach, ordnen sie ein, versuchen zu verstehen, warum etwas passiert ist. Das kann helfen, ein intellektuelles Verständnis zu entwickeln. Aber es verändert nicht das, was im Nervensystem gespeichert ist.
Trauma ist körperlich. Es sitzt nicht nur im Kopf - es sitzt im Körper. In den Reaktionen, die automatisch ablaufen. In den Empfindungen, die in bestimmten Situationen entstehen. In dem Gefühl der Enge in der Brust, dem plötzlichen Herzklopfen, der Taubheit, die manchmal kommt, wenn es zu viel wird.
Deshalb ist ein Ansatz, der den Körper einbezieht, bei der Traumaverarbeitung so wichtig.
Wie ich mit Trauma arbeite
Mein Ansatz ist personzentriert - was bedeutet, dass ich nicht nach einem festen Schema arbeite, sondern ausgehend von dem, was Sie mitbringen und was Sie brauchen. Ich arbeite behutsam und in Ihrem Tempo. Traumaverarbeitung braucht Sicherheit und Sicherheit entsteht nicht durch Druck, sondern durch eine Beziehung, in der Sie sich wirklich gehört und ernst genommen fühlen.
Focusing nach Eugene Gendlin ist dabei eine Methode, die ich häufig einsetze. Focusing arbeitet mit dem sogenannten Felt Sense - einem körperlichen Gefühl, das noch nicht in Worte gefasst ist. Es hilft dabei, einen sanften Zugang zu dem zu finden, was das Nervensystem gespeichert hat, ohne es zu überfordern, ohne es zu zwingen. Schritt für Schritt, in einem Tempo, das Sie selbst bestimmen.
Was Focusing von anderen Ansätzen unterscheidet: Es geht nicht darum, das traumatische Erlebnis noch einmal durchzuleben. Es geht darum, einen neuen Umgang damit zu finden - einen, bei dem das Nervensystem merkt, dass die Bedrohung vorbei ist und es sich wieder sicher fühlen kann.
Was Sie in meiner Praxis erwartet
Ich urteile nicht darüber, was Sie erlebt haben oder wie schwer es war. Ich vergleiche nicht. Ich sage nicht, dass andere es schlimmer hatten. Was Sie mitbringen, ist das, womit wir arbeiten - ohne Bewertung, ohne Einordnung in eine Kategorie, die Ihnen nicht passt.
Das erste Gespräch ist kostenlos, dauert ca. 30 Minuten und verpflichtet Sie zu nichts. Es ist ein erstes Kennenlernen - Sie entscheiden danach, ob und wie Sie weitermachen wollen. Eine Einzelsitzung dauert 45 bis 50 Minuten und wird mit 70 € berechnet. Die Kosten werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Einige private Zusatzversicherungen erstatten Heilpraktikerleistungen jedoch teilweise. Digitale Sitzungen sind nach Absprache möglich.
